Essstörungen
 

Magersucht - Krise bis Persönlichkeitsstörung

Die aktive Weigerung einer genügenden Kalorienaufnahme mit intensiver Angst vor dem Dickwerden, nachfolgender Gewichtsverlust von ca. 20-25% ohne entsprechende somatische Erkrankung, sekundäre Amenorrhö (sofern schon Menstruation bestand), Obstipation und motorische Überaktivität gehören zu den Kardinalsymptomen der Anorexia nervosa (Magersucht). Je nach Hungerzustand sind sekundäre somatische Erscheinungen zu beobachten, wie Lanugobehaarung, Bradykardie, livide Akren und diverse Stoffwechselstörungen. Vor der Diagnosestellung müssen andere psychische Störungen, wie Depressionen, Schizophrenien, Zwangsneurosen und somatische Krankheiten, wie zum Beispiel Hirntumor ausgeschlossen werden.

Die Magersucht ist eine schwere psychosomatische Erkrankung mit Tendenz zur Chronifizierung. Bei einer insgesamt hohen Mortalitätsrate reicht das Spektrum von kurzzeitiger, oft spontan heilender anorektischer Reaktion bis hin zu schwer beeinflussbaren, progredient verlaufenden Krankheitsbildern.

Hinter dem anorektischen Syndrom kann eine individuelle Psychopathologie stehen, die sich von psychotischen Strukturen über Borderline-Syndrome, narzistische Neurosen und Symptomneurosen bis zur einfachen Adoleszentenkrise erstreckt.


Quelle: Bürgin, D. & Rost, B. (2003). Psychosomatik beim Säugling, Kleinkind, Kind und Jugendlichen. In R. H. Adler, J. M. Hermann, K. Köhle, W. Langewitz, O. W. Schonecke, T. von Uexküll & W. Wesiack (Hrsg.), Psychosomatische Medizin (6. Auflage) (S. 1244). München: Urban & Fischer.

 


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