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Essattacke, FressanfallDer Unterschied zwischen harmlosen Überessen und problematischer Essattacke ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
Mit dem Beginn einer Essattacke können angenehme Gefühle - bspw. das Gefühl der Erleichterung - einhergehen, auch kann durch den Geschmack der Nahrung und den Vorgang des Essens Genuss empfunden werden.
Während der Essattacke setzen jedoch bald Gefühle wie Ekel und Abscheu ein. Während einer Essattacke wird meist sehr schnell gegessen, das Essen wird von vielen Betroffenen mechanisch zu sich genommen und kaum zerkaut. Nach Mitchel et al., 1981, dauerten Essattacken zwischen 12 Minuten und 8 Stunden, im Durchschnitt 78 Minuten, dabei wurden zwischen 1.200 kcal bis 11.500 kcal, im Durchschnitt 3.415 kcal, während einer Essattacke verzehrt.
Bei der Essattacke sind viele Betroffene in einem erhöhten Erregungszustand, scheinen von Verzweiflung getrieben, greifen manchmal sogar zu Lebensmitteln, die ihnen nicht gehören oder essen von anderen wegeworfene Reste auf, was nach dem Vollzug als besonders peinlich, abstoßend und erniedrigend empfunden wird. Viele Betroffene beschreiben, dass sie sich während einer Essattacke in einer Art Trance-Zustand befänden, dass sie ihr Verhalten als automatisiert empfinden oder als wären sie nicht sie selbst, wenn sie so handeln. Manche schaffen bewusst ablenkende Situationen um während einer Essattacke nicht über ihr Verhalten nachdenken zu müsssen. Manche Betroffene schämen sich so für ihr Verhalten, dass sie sich - manchmal über Jahre - einfallsreicher Täuschungsmanöver bedienen, um es geheimzuhalten.
Das zentrale Gefühl des Kontrollverlusts fällt unterschiedlich aus. Viele Betroffene empfinden Kontrollverlust schon, bevor sie mit der Essattacke begonnen hätten, andere empfinden den Kontrollverlust, wenn sie merken, dass sie zuviel gegessen haben. Einige Betroffene berichten, von einer planmäßigen Integration der unvermeidlich erscheinenden Essattacken in ihre Tagesabläufe, was es ihnen ermöglicht, sich als weniger passiv-ausgeliefert zu empfinden.
Quelle: Köhle, K., Subic-Wrana, C., Albus, C., & Simons, C. (2003). Anorexia nervosa. In R. H. Adler, J. M. Hermann, K. Köhle, W. Langewitz, O. W. Schonecke, T. von Uexküll & W. Wesiack (Hrsg.), Psychosomatische Medizin (6. Auflage) (S. 687-706). München: Urban & Fischer.
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